Amerika, du hast es besser...


Es kommt Bewegung in die Diskussion um den klassischen acht Stunden-Arbeitstag. Bereits im Sommer forderte der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Ingo Kramer: „Das Arbeitszeitgesetz sollte von einer täglichen auf eine wöchentliche Höchstarbeitszeit umgestellt werden, um mehr Spielräume zu schaffen und betriebliche Notwendigkeiten abzubilden."

Das sieht der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) natürlich ganz anders. „Man muss keine der bestehenden Schutzgrenzen im Arbeitszeitgesetz verändern, um Flexibilität für Arbeitnehmer und Arbeitgeber zu ermöglichen", heißt es von dort.

Die Gewerkschaften drängen darauf, den Schutz der Beschäftigten zu verbessern. „Gerade weil sich die Arbeitswirklichkeit so geändert hat, brauchen wir eine Absicherung gegen die neuen Risiken“, sagen die Gewerkschaftsfunktionäre.



Stimmt. Sehe ich genauso. Im digitalen Zeitalter, wo der Onlinehandel jährlich zweistellig zulegt (dieses Jahr wird er über 40 Milliarden Euro umsetzen) und Produkte immer öfter aus 3D-Druckern kommen, braucht es natürlich Absicherung gegen neue Risiken.

Das sehen die Einzelhändler auch so. Wie gerne würde einige von ihnen dann die Geschäftstüren öffnen, wenn die Menschen davor stehen, also am Sonntag. Dann, wenn das Gros der Angestellten und Arbeiter Zeit zum Einkaufen hätten, sind in Deutschland die Geschäfte geschlossen. Am Montag, wenn sie alle wieder zur Arbeit gehen, öffnen sich auch die Türen der Einzelhandelsgeschäfte, verbunden mit der Hoffnung, dass sich dann doch noch ein Kunde dorthin verirrt. Hier ist tatsächlich der Wunsch Vater des Gedankens.

Haben die Gewerkschaftsbosse schon mal darüber nachgedacht, warum immer mehr Einzelhandelsfachgeschäfte schließen? Es gibt Studien, die belegen, dass am Sonntagabend zur „Tatort-Zeit“ die meisten Online-Bestellungen abgeschickt werden. Das überrascht mich nicht. Schließlich dürfen die Online-Händler 24/7 verkaufen, zu Konditionen, die kein regionaler Einzelhändler anbieten kann.

Also halten wir fest am Altbewährten, so wie damals Kaiser Wilhelm II, der weiterhin an das Pferd glaubte und im Auto eine vorübergehende Modeerscheinung.

Die Dummen sterben eben nicht aus. Sie handeln nach dem Prinzip: Lieber gleich alles voll gegen die Wand fahren, als sich auf die veränderten Marktbedingungen einlassen. Schließlich ist das Leben kein Ponyhof. Warum kommen eigentlich alle großen wie erfolgreichen Online-Anbieter aus Amerika? Schon Goethe erkannte: "Amerika, du hast es besser."